Hin und her – Vorsätze ja oder nein? Die Meinung in der Redaktion geht hier weit auseinander. Nur eines bleibt gleich: die Frisur!

 

Yessss:

 

Hurra, hurra – frohes, mega gesundes, weniger stressiges, total aufgeräumtes und – na klar – vorwiegend sportliches neues Jahr. So gehört sich das doch, oder? Also mit den Vorsätzen. Es wird einem jedenfalls suggeriert, dass Neujahresvorsätze absolut im Trend liegen und auch zum guten Ton gehören. Praktischerweise bietet mir mein Instagram-Zugang Massen an bereits vorgefertigten und zusammengestellten Neujahrs-Vorsatz-Listen, die sich eigentlich ganz gut lesen. Könnte man direkt so übernehmen…

 

Ok, na gut, ich möchte es dieses Jahr noch einmal versuchen und mir wirklich etwas vornehmen was ich durchhalte und bitte auch länger als unserer Jungs bei der Fußball WM.

Was möchte ich also wirklich, was kann ich schaffen und was macht mich vor allem glücklich? Muss ich eben drüber nachdenken…

 

Abends nach der Arbeit drücke ich zu Hause die Netflix & Chill Taste. Mir wird eine neue Serie vorgeschlagen: Aufräumen mit Marie Kondō, hm, den Namen habe ich schon mal gehört: Vor ein paar Jahren kaufte ich mir den Nr.1 Bestseller aus Japan – Magic Cleaning – von derselben Autorin. „Wie richtiges Aufräumen ihr Leben verändert“. Ich gebe zu, es absolut halbherzig und während im Hintergrund Fußball lief, gelesen zu haben. Ist nicht so richtig viel hängen geblieben…

 

Die Netflix-Serie ist also das Film-Pendant zum Buch – ein paar Jahre später und mit bunten Bildern eindeutig fesselnder für mich. Es geht um Folgendes: Misses K. hat für jedermann und mich eine Methode entwickelt, mit der man wirklich und richtig aufräumt; Die Wohnung, den Kleiderschrank, Papiere, das so genannte Komono (umfasst Küche, Bad, Dachboden) und am Ende auch irgendwie sich selbst – ganz ohne Jo-Jo-Effekt.

 

Aufräumen – mein (Neu)Jahresvorsatz Numero uno!!!

 

Ich Frage kurz bei Siri nach ob sie auch schon was von Marie und ihrem japanischen Aufräumimperium gehört hat. Und ja, die Frau hat es absolut in sich. Mittlerweile nach Kalifornien übergesiedelt, hat Frau Kondo bereits mehr als zehn Millionen Bücher verkauft, bringt zur Zeit die Haushalte vieler kalifornischer Familien auf Vordermann und gibt für schlappe 2000 Dollar Kurse, in denen man sich zu zertifizierten Aufräumberatern ausbilden lassen kann. Ich bin begeistert.

 

Bildlich stelle ich mir meine kleine Wohnung vor: die Küche, das Bad, Schlaf- und Wohnzimmer, denke an all die bunten Vasen, tausend Kochbücher, unzählige Bilder, verschiedenste Seifen und beim Gedanken an den Inhalt meines Kleiderschrankes wird mir ganz schlecht. Das geht nicht so weiter.

Have less Stuff, Girl.

 

 

NO!!!

 

Warum zum Teufel braucht es einen kalendarischen Jahreswechsel um sich seiner Absichten, Wünsche und Ziele bewusst zu werden?

 

Wohin man schaut prasseln die guten Neujahrsvorsätze auf einen ein. Weniger Alkohol, weniger Zigaretten, weniger Stress, weniger Konsum, mehr Nähe, mehr Achtsamkeit, mehr Sport und vor allem mehr Geduld! Mehr Liebe. Mehr Sex. Oder vielleicht auch weniger. Who knows. Vieles davon wird bereits am Neujahrstag gegen frühen Nachmittag wieder achselzuckend ad acta gelegt. Meine Freundin die das neue Jahr mit einer Alkohol-Fastenzeit beging, kippte sich am 1. Januar um 17:00 Uhr einen eiskalten Sancerre mit den Worten „scheiß drauf!“ ins Glas. Die anderen Vorsätze, die, die sich festbeißen, nagen dann für Wochen als kleine Verpflichtung, als gut getarnter Schweinehund an den doch so frischen und gut gemeinten Intensionen. Ich frage mich: wozu der Stress?

 

In meinem Leben erliege ich bereits genügend Verpflichtungen, muss Druck aushalten, verlässlich sein, auch wenn das Leben in regelmäßigen Abständen sich einen Spaß daraus zu machen scheint, Tugenden wie Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, Planbarkeit auf perfide und wirklich ausgeklügelte Art und Weise zu untermauern.

 

Als Working Mum ist mein Tag vollgestopft von Fremdbestimmtheit – ist es da wirklich eine gute Idee, das wenige an Free-Flow noch mit kaum einzuhaltenden Vorsätzen zu verstopfen?

Nicht dass wir uns falsch verstehen, ich habe Shiploads von Wünschen, die an mich selbst gerichtet sind. Ich habe bergeweise Ideen an welchen Ecken und Enden ich mein Leben oder mich selbst zu einem besseren, gesünderen, nachhaltigeren, erfolgreicheren, dünneren, liebevolleren Menschen wandeln könnte. Aber hey, das Leben fliegt doch manchmal in Überschallgeschwindigkeit an einem vorbei. Muss es noch mehr Erwartung sein? Sind Vorsätze nicht auch so verbindlich, konkret, dass wir uns damit nur noch mehr Druck aufbürden? Oder noch anders, ist nicht das ganze Leben ein Vorsatz? Wir haben doch nahezu jeden Tag im Jahr Wünsche, Ziele und Absichten die in uns arbeiten. Ist es wirklich so befreiend das neue Jahr mit all diesen komprimierten Must-Dos zu starten?

 

Meine Vorsätze haben auf jeden Fall keine kalendarische Verpflichtung. Ich würde zum Beispiel seit Wochen gern früh aufstehen, ein wenig Sport treiben – meine Genesung vorantreiben. Meine Tage sind jedoch so voll gestopft, dass ich Abends totmüde und erschöpft ins Bett falle und mich bis 7:00 Uhr in komatösem Tiefschlaf befinde. Dann zwitschert der Wecker: Hey, Baby! Hier klingelt Deine Absicht. Ich bins, Dein Schweinehund. Raus mit Dir.

 

Dann dreh ich mich zur Seite und blicke in das schlafende Gesicht meiner Tochter. Meist robbe ich dann ein kleines bisschen an sie ran und genieße noch ein paar Minuten Ruhe. Spüre den Frieden und frage mich ob ich diesen Moment für ein paar Squads und Planks eintauschen sollte. Scheiß drauf. Oder um es mit Oskar Wilde zu sagen: „Vorsätze sind der nutzlose Versuch, die Naturgesetze außer Kraft zu setzen“.

 

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