Heute ein paar Gedanken über Nachmittage. Mit Kindern.

Stefanie Luxat (39) ist Journalistin, Buchautorin und Bloggerin (ohhhmhhh.de). Ach so, und: sie ist Mutter zweier Kleinkinder (Fitz (2) & Ruby (3 ½)). Über den ganz normalen Wahnsinn als berufstätige Mutter, Ehefrau, Tochter, Freundin, Schwester und Frau, die auch mal gern eine Minute für sich hat, schreibt sie hier ab jetzt monatlich eine Kolumne.

 

Als ich noch keine Kinder hatte, dachte ich, wenn meine kinderreichen Kolleginnen sich gegen drei Uhr in den Nachmittag verabschiedeten: „Hat die es gut – halben Tag frei!“ Bisschen shoppen gehen, schön in der Sonne auf dem Spielplatz sitzen, mit Freundinnen in Ruhe quatschen, leckere Sachen einkaufen, kochen, die Kinder lachen, alle haben Spaß – wie schön.

 

Muahahahahahaha. Der war gut, oder? Das Gute ist, dass man eben nicht alles immer vorher weiß. Beim sich verlieben zum Beispiel: Wer denkt da schon an alles, was später noch so kommt (Mundgeruch), heiraten (Flitterwochenbrand) und Kinder kriegen (voll gekotzte Betten). Unser Hirn schützt uns aus egoistischem Selbsterhaltungstrieb davor. Und das ist gut so. Sonst würden wir ja all die vielen, auch sehr schönen, Momente verpassen.

 

Mein Mann und ich, beide selbstständig, teilen uns die Kinderbetreuung. Bleiben für jeden pro Woche zwei Nachmittage (einen macht unsere Babysitterin). Wenn alle gesund sind, wenn keiner von uns auf Reisen ist oder einen beruflichen Notfall hat. Weil wir beide Vollzeitjobs haben, aber gefühlt dafür nur die Hälfte der Zeit zur Verfügung, kommt es nachmittags manchmal zu wilden Szenen. So wie vor kurzem: Als meine Freundin Xenia mit ihren Kindern nachmittags zu Besuch kam.

 

Xenia und ich haben unsere Kinder parallel bekommen. Sehr praktisch. Unsere Töchter lieben sich sehr, unsere Zweitgeborenen haben eh noch keine eigenen Freunde bisher und machen halt mit. Wir machten gemeinsam aus dem Büro einen großen Hechtsprung zum Kindergarten, mit diesem Gefühl: Ach hätte mir doch jemand noch eine Stunde mehr schenken können, ich hätte die Welt noch schnell gerettet!

 

Wir packten die Kinder ein, schoben mit der Viererbande zu uns nach Hause. Es folgten die Klassiker: Raubtierfütterung der Kinder, als hätte es kein Mittag im Kindergarten gegeben. Zerlegung des Kinderzimmers, als stünde irgendwo geschrieben: sind nicht alle Schubladen geleert, gibt’s keine Schokolade.

 

Unsere Hoffnung für den Nachmittag war: die Kinder spielen und wir können kurz quatschen, mein Schlafzimmer dekorieren für ein Fotoshooting ein paar Tage später und Windeltorten für zwei Freundinnen, die bald gebären, basteln.

 

Fehlanzeige. Keins der Kinder bewegte sich vom Esszimmertisch weg. Zu spannend, was da rumlag. Wir boten an, dass sie mitbasteln, aber die eine musste auf Klo und brauchte noch Begleitung, die andere wollte was trinken, der andere Schokolade, dem anderen fiel ein Spielzeug auf den Fuß und er musste getröstet werden. Und das jetzt Mal vier. Also Stakkato-Sätze und ganz viel „Wo waren wir noch mal?“.

 

Irgendwann kam mein Mann nach Hause und schrie: „Hier brennt’s irgendwo!!!“ Der Mann hat in zehn Jahren Beziehung noch nie geschrien, also muss es stimmen. Wir stürmten in die Küche und Tatsache: Fast ein Meter hohe Stichflammen auf der hölzernen Arbeitsplatte. Was war passiert? Wir hatten den Kindern gegen Abend ein paar Mini-Pizzen machen wollen. Die Papier-Verpackung lag noch auf dem Herd und der eineinhalbjährige Sohn meiner Freundin hatte, ohne unser Wissen, den Herd angestellt. Er muss sich unauffällig von der Gruppe abgespalten haben, obwohl wir ständig nachzählten, und heimlich zu der Mission in die Küche aufgebrochen sein. Da wir einen Hamburger Wohnungsknochen haben, bekamen wir nicht mit, was am anderen Ende passierte. Er war beim nächsten zählen schon wieder da.

 

Mein Mann löschte den Brand, wir rissen alle Fenster auf, beruhigten die Nachbarn, die schon aufgescheucht vom Gestank klingelten und dann lachten wir. Sehr, sehr laut. Wir zitterten noch etwas vom Schock, aber wir lachten Tränen. Weil es die einzige Lösung ist. Und die Anschaffung eines Feuerlöschers. Dafür fehlt nur gerade etwas das Geld. Dank unseres Sohnes. Der fuhr mit seiner Schwester und meinem Mann am nächsten Nachmittag ins Frischeparadies, dem Hamburger Feinkostgeschäft. Ich wünschte mir für ein Gericht eine bestimmte Zutat, die es nur dort gibt. Kaum hatten die Drei den Laden betreten, hörte man Glas zerspringen. Unser Sohn hatte eine 300 Euro-Flasche Rotwein umgeschmissen, die sofort zerschellte. Kulanter Weise gaben die Betreiber meinem Mann die Flasche zum Einkaufspreis für 170 Euro. 170 Euro. Für nichts. Kreditkarte hingeben, nichts zurückbekommen. Und fragt mich jetzt nicht, warum nicht wie in jedem guten Laden unten der billige Fusel steht und oben das gute teure Zeug.

 

Ein paar Nachmittage weiter war ich damit beschäftigt, nicht zu erfrieren. Ich wartete auf einen dringenden Rückruf eines neuen Kunden, das Gespräch konnte ich trotz großer Kraftanstrengung nicht vor halb vier, der Kinder-Abholzeit, legen. Also musste ich kurz so tun, als hätte ich keine (schreienden) Kinder. Im Winter so eine Sache. Als der Anruf kam, sprang ich auf den Balkon in T-Shirt und Jeans ohne Socken (mir war von der Heizung drinnen so heiß), hielt die Balkontür panisch mit der anderen Hand zu, riss lustige Grimassen Richtung Kinder, damit die nicht noch lauter zu schreien anfingen und gab am Telefon die kompetente Geschäftsfrau.

 

Puh.

 

Manchmal hätte ich gern eine Liste all der Dinge, die ich als Mutter noch so nebenbei gewuppt habe, während andere einfach einen ganz normalen Tag hatten. So ein Protokoll eines ganz normal wahnsinnigen Tages. Aber dann denke ich mir: Dafür, dass wir diese manchmal irren Tage wuppen, werden wir halt anders belohnt: Mit etwas, das ich niemals eintauschen möchte – Umarmungen von speckigen süßen Armen, feuchten Küssen, einem „ich hab dich lieb bis zum Mond“ oder auch einem Pups ins Gesicht.

36+

15 Comments

  • Lilli sagt:

    Ach Steffi, wie wunderbar, wir lieben Dich noch weiter als bis zum Mond für Deine Ehrlichkeit und Deinen Humor, toller Text-Supermom :-), lg Lilli

    9+

  • Friederike sagt:

    Herrlich!! So erfrischend und lustig und ehrlich und schön! Und deine Kolumne Paste grade perfekt in meine kleine Pause, denn ich backe grade Kuchen für den zweiten Geburtstag meines Sohnes, muss noch das ganze Haus aufräumen und Wohnzimmer dekorieren und kann eigentlich gar nicnt laufen weil der zweite Sohn in meinem Bauch ganz fies auf die Hüfte drückt 😂 So ist das halt und man schafft es doch irgendwie alles!

    Glg Friederike

    6+

  • Andrea sagt:

    YEAH!! Herrlich und sooo wahr…

    1+

  • Kate sagt:

    Das mit dem Feinkostgeschäft finde ich schon recht unverschämt, von Besitzerseite, denn gegen „Kundenbruch“ sollten die eigentlich versichert sein und wer platziert bitte 300 Euro Flaschen in Bodennähe???

    Das mit dem Balkon kommt mir so bekannt vor… letztens in der Telefonkonferenz meinte der Kunde über mich: „ach Sie sind am Airport, immer auf auf Achse, was?“ Ich stand im Schnee in Socken auf dem heimischen Balkon, die Handwerker vom Baugerüst gegenüber winkten mir fröhlich zu und die Kinder trommelten wild gegen die Balkontür….

    3+

  • Jules sagt:

    Wunderbar! Berichtest du von meinem Leben? Ein Hoch auf uns Mamas!
    LG vom Schreibtisch aus mit ordentlich Zeitdruck im Nacken
    Julia

    1+

    • Little Foshi sagt:

      Liebe Julia, wir finden auch, dass Steffi es immer wieder schafft uns den schlimmsten Druck, den größten Stress mit einem Augenzwinkern zu versüßen.. Hoffentlich hast Du alles geschafft! 😉

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  • Susanne Strobach sagt:

    Hallo Steffi, ja, das war eine klassische Nachmittagsbeschreibung von uns zuhause! Das mit der Stichflamme hatten wir auch schon. War ein Geschirrtuch, das auf dem Ceranfeld lag und meine Tochter hatte an den Knöpfen rumgespielt….

    Mit Kindern ist halt auch ganz arg viel Murphy’s Law. Kinder können 45 Min friedlich zusammen spielen – wenn Du eigentlich mit Ihnen weggehen willst, zum Beispiel. Aber ganz sicher nicht dann, wenn Du kurz mal ungestört sein müsstest!

    Einfach immer wieder schön zu lesen, dass es anderen genauso geht!

    Liebe Grüße, Susanne

    1+

    • Little Foshi sagt:

      Auch wir lieben Steffi’s Texte sehr. Nun wird sie uns jeden Monat mit Einblicken in ihr Mamasein versüßen. Wir freuen uns sehr und sind schon gespannt, wie Euch die nächsten Themen gefallen! 😉

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    • Stefanie Schiestl sagt:

      Oder sie spielen auch furchtbar gerne dann, wenn sie ins Bett müssen…plötzlich sind sie friedlich mit ein paar Bauklötzchen 😅

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  • Lisa (mein-daheim) sagt:

    Ich LIEBE einfach jeden Text von dir! Jeden Satz… mit so viel Humor und Spaß an der Sache <3
    Der Pups ins Gesicht, hat mich zum Schluss mal wieder laut lachen lassen

    I LIKE IT 😉
    Alles Liebe, Lisa

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  • Eva sagt:

    Sehr unterhaltsam. Und so wahr! Sich unterhalten mit Freunden und dabei diverse Kinder im Hintergrund? Viel Glück! Ich frage mich immer: Sind nur meine Kinder so? Aber anscheinend sind Kinder halt so. Also annehmen und darüber lachen. Ist auch meine Haltung. Sonst läuft man ja nur schlecht gelaunt durch die Welt. Und wer will das schon.

    Liebste Grüße aus dem Raubtierkäfig mit drei kleinen Löwenkindern

    Eva

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  • Susanne sagt:

    Witzig, komisch, zum Lachen und fast Weinen finde ich deinen Text! Besonders mag ich die Szene, wo du am Balkon stehst. Das kommt mir sehr bekannt vor.
    Liebe Grüße von Susanne aus Wien 😜

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  • GONE TO THE BEACH!!!🌴🏄‍♀️
Okay, okay....es ist erst April... und dann auch noch in Hamburg.
Die Sonne versüßt uns ab heute aber dennoch endlich mal wieder das Leben. Kein Aprilscherz ;) Genießt den Tag 💛💛💛
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