Heute ein paar Gedanken über das Durchdrehen beim ersten Kind. Warum das genau richtig so ist.

 

Stefanie Luxat (39) ist Journalistin, Buchautorin und Bloggerin (ohhhmhhh.de). Ach so, und: sie ist Mutter zweier Kleinkinder (Fitz (2) & Ruby (3 ½)). Über den ganz normalen Wahnsinn als berufstätige Mutter, Ehefrau, Tochter, Freundin, Schwester und Frau, die auch mal gern eine Minute für sich hat, schreibt sie hier monatlich eine Kolumne.

 

Mein Frauenarzt hat schon viel gesehen. Zum Beispiel eine Erstgebärende, die vor Aufregung unter der Geburt nicht wie besprochen ins Krankenhaus fuhr, sondern zu ihm in die Praxis. Gut, hat er dort mal eben kurz ein Kind auf die Welt geholt. Den bringt so leicht nichts aus der Ruhe. Den BRACHTE so schnell nichts aus der Ruhe. Bis ich schwanger wurde. Mit Kind eins. Und in Berlin ein neuer, hipper Kinderklamottenladen eröffnete, wohin ich mich später am Tag auf den Weg machen wollte.

 

„Och büdde,“ flehte ich ihn an. „Sie haben doch sooo viel Erfahrung, sie müssen doch sehen, welches Geschlecht das Baby hat!“. „Frau Luxat…,“ sagte er und sah mich lange an. „Ein Mädchen? Kann ich alles für ein Mädchen einkaufen?“ fragte ich euphorisch. „Sie sind in der sechsten Woche!“ antwortete er sehr bestimmt. „Ihr Kind gleicht einer Erbse, noch nicht mal!“ Die Frage, ob eine Erbse mit Pimmel oder ohne, schluckte ich schnell herunter. Auf seiner Stirn erstrahlte bereits ein „Das! Ist! Jetzt! Nicht! Ihr! Ernst!“.

 

Wer „Get Lucky“ als Lied in der Warteschleife seines Praxistelefons spielt, darf sich nicht über zu viele Schwangerschaftshormone beschweren. Ich kaufte dann in Berlin alles geschlechtsneutral, ist ja heutzutage eh politisch viel korrekter. Unter anderem war ein Neugeborenen-Overall für 70 Euro dabei. 70 Euro. Hahahaha. Aber: Er hat jeden Cent abgearbeitet, dieser Overall. Ich hing ihn gleich in Hamburg in das, natürlich schon fast fertig eingerichtete, Kinderzimmer, auf einen Kleiderbügel in Miniaturausgabe an die Wand. Täglich wurde er angehimmelt, angefasst und umgehängt. Genau wie die aus Amerika bestellten und persönlich beim Zoll nach drei Stunden Wartezeit abgeholten Mokassins fürs Baby. Wir hatten ja damals nichts in Hamburg.

 

Ganz am Anfang ist das Gefühl, Mutter zu werden so unfassbar, gibt es so wenig zum Anfassen und Begreifen, was da gerade für ein Riesenwunder passiert. Der Bauch sieht aus, als habe man eine einfach nur wirklich fiese Verstopfung.  Wenn überhaupt. An was soll man sich denn festhalten, wenn einem ganz schwindelig wird vor Hormonen? Genau, an allem, was man in Wirklichkeit gar nicht ernsthaft zum Kinder kriegen braucht: Schnullerdosen, Wickeltaschen, Windelbeuteln, Mutterpasshüllen – ich schrieb kilometerlange Einkaufslisten, das Geld flog davon wie zuletzt bei der Hochzeit und jede Beute wurde euphorisch erlegt. Es war mein Spielzeug, um diese unendlich lang erscheinende Zeit bis zum nächsten Ultraschall oder gar der Geburt ertragbar zu machen. Nicht vorher zu platzen vor Glück (ich spreche hier von der Zeit nach der Morgenübelkeit).

 

Mein Mann nahm zum ersten Mal Wörter wie „Stiftung Warentest“ in den Mund. Er fuhr den Kinderwagen Probe in unserem Hausflur, übte das Anschnallen des Maxi Cosis im Auto. Wir hörten, es hätte schon Eltern gegeben, die das Krankenhaus mit Kind nicht hätten verlassen können, weil sie nicht wussten, wie die Schale angeschnallt werden musste. Horrorgeschichten für werdende Eltern, die doch so verdammt gern alles richtig machen möchten. Ihre Hausaufgaben mit Auszeichnung bestehen wollen, um wenigstens irgendwas kontrollieren zu können, auf dieser Reise ins Ungewisse. Von der so wenige einigermaßen normal zurückkehren.

 

Ich nahm derweil immer heimlich die Zeit, wenn ich von Zuhause bei dem von uns für die Geburt ausgewählten Krankenhaus vorbei fuhr. Hatte mir doch irgendjemand Gemeines die Geschichte erzählt von der Frau, die dort Weihnachten ein Kind bekam und es nur in den Empfangsbereich schaffte, noch gerade unter den Weihnachtsbaum robben konnte, um breitbeinig zu gebären. Oder die, die es ein paar Meter weiter im Fahrstuhl erledigte.

 

Unser erstes Kind, Tochter Ruby, hatte das volle Programm gebucht, blieb so lange im Bauch, bis der Arzt sagte: „Gleich holen wir sie.“ Da packte Madame endlich ihre Sachen und kam raus. Leider erbte sie mein Talent nahezu geräuschlos schlafen zu können. Was dazu führte, dass ich mehrmals nachts an das arme Kind heranrobbte, um zu überprüfen, ob es noch lebte. Ich wollte sicherstellen, dass unser Neugeborenes, anscheinend körperlich hochbegabt, nicht die Stillwurst hochgehoben und sich anschließend fest aufs Gesicht gepresst hatte, bis die Luft wegblieb. Natürlich wurde das Kind von meinen Sicherheitsmaßnahmen wach und der Schlaf war passé.

 

Kind zwei vergaßen wir übrigens mal im Kinderwagen. Nachts. Im Flur. Natürlich in der Wohnung. Hallo? Als wir uns nur mal ganz kurz ausruhen wollten und zack im Tiefschlaf versanken. Gut, das ist jetzt nicht so schlimm, wie das, was in der Familie meines Mannes passierte: Da wurde eins der drei Kinder auf der Raststätte zurückgelassen. Komm da mal schnell hin zurück, wenn du gerade aufm Weg in den Urlaub bist.

 

Die gute Nachricht ist doch: man wird so viel lässiger. Mit Kind eins, sobald man merkt – die Wahrscheinlichkeit, dass wir etwas wirklich Schlimmes falsch machen, ist so viel geringer als wir dachten. Oder es kommt einfach schnell Kind zwei hinterher und es fehlt die Zeit und Energie für so vieles. Mit Kind eins verteidigte ich noch jede Sandform auf dem Spielplatz als ginge es ums Überleben meines Kindes. Meine Mama-Freundinnen und ich konnten nicht fassen, wie dreist man bitte sein müsste, um anderen Kindern ihr hübsches Spielzeug klauen zu können. Heute kehren wir mit mehr fremden als eigenem Zeug vom Spielplatz heim.

 

Oder Schwangerschaftsfotos. Bei Kind eins fing ich mit der Dokumentation des Bauches direkt nach dem Schwangerschaftstest an. Bei Kind zwei habe ich kurz vor der Geburt versucht, noch ein paar Bilder zu faken, weil es bisher kaum welche gab.

 

Ich wusste in der zweiten Schwangerschaft nicht mal genau in welcher Woche ich war. Was für so entsetzte Blicke von Erstgebärenden beim Schwangerenyoga sorgte, dass ich kurz überlegte, ob die jetzt wohl das Jugendamt anrufen würden. Und ich ihnen lieber schnell zuvor kommen sollte: „Ja, Guten Tag, Luxat hier, ich bin schwanger mit Kind zwei, freu mich auch total, aber ich bin so unendlich müde, schon Dank Kind eins, meines Jobs, ach, sie wissen schon. Es ist einfach nicht so romantisch wie beim ersten Mal. Sagen einem ja alle vorher, aber will man das hören? Ich erzähle jetzt ja allen zum ersten Mal Schwangeren immer: Gebt Vollgas! Kauft, was auch immer euer Herz erfreut! Feiert jedes CTG, jeden Millimeter Bauchumfang, Mamamittwoche, Dickbauchdonnerstage, egal was, genießt es und lasst es krachen!“. Nicht mal mehr Geschenke bekommt man in der zweiten Schwangerschaft. In der ersten hätte ich täglich baden können in dem vielen Schwangerschaftsöl, das ich bekam, jetzt benutzt ich die After-Sun-Reste ausm Urlaub! Na ja, ich wollte nur sagen: bei uns ist alles normal. Nur, falls Sie mal jemand anrufen sollte und behauptet, wir wären schlechte Eltern! Hallo? Haaaaallooo?“

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8 Comments

  • Kathrin sagt:

    Ich sitze in der Bahn. Auf den Weg zur Arbeit. Ich hab mehrfach so laut auflachen müssen, dass Mitreisende sich bereits abwenden. Wunderbar. Vielen Dank.

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  • Yaca sagt:

    Ich hab Tränen gelacht!!! Und dabei hab ich weder Kinder, noch bin ich in freudiger Erwartung!
    Kannst Du nicht demnächst die Reden von Frau Merkel schreiben? Das wär ein Spaß!

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  • Christin sagt:

    Hach, herrlich!
    Aber: Als ich mit Kind eins schwanger war sagten bereits alle, dass wir nicht viel kaufen brauchen, denn man würde so viel geschenkt bekommen. Aha. Aber alle die das sagten schenkten nichts und hatten selber auch keine Kinder, ich hätte den Fehler gleich bemerken sollen. Also wir bekamen ein paar Bodys und eine Creme. Ehrlich. Bei Kind zwei habe ich dann doch alles gegeben und gekauft, wusste dann aber schon, dass weniger mehr und dafür teurer sein kann.

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  • Simon sagt:

    Ich bin das erste Mal schwanger, und ich finde den Artikel wirklich erfrischend! DANKE!! Gerade eben ist meine Stimmung aus diversen Gründen am Boden und ich fühle mich sehr erschöpft… sofort werde ich gefragt, ob ich mich denn nicht auf unser erstes Kind freue? DOCH! Ich freue mich tierisch, bin überglücklich, weil ich nicht mehr damit gerechnet habe…. aber ich bin doch auch immer noch ich… mein Körper verändert sich rasant, meine Seele und mein Herz mit dazu… damit muss ich doch auch erstmal noch klar kommen. Noch dazu ist da eben auch noch Job, Haushalt und Wohnungssuche…. Ich habe das gute Recht glücklich und nervlich gereizt zur gleichen Zeit zur sein! Basta!
    DANKE für die schöne Kolumne 🙂

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  • kat sagt:

    einfach nur wunderbar, hab herrlich geschmunzelt und es könnte ich sein, die das geschrieben hat – bin im 8. Monat schwanger und freue mich wie eine Wahnsinnige aud das Knöpfchen – mit all den Eigenheiten, die du da beschreibst. Bestens! ❤

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  • Anni sagt:

    Mein Higlighrt des Tages! (Ich würde ja sagen das Highlight der Woche, aber ich bin zum ersten Mal schwanger und habe am Donnerstag einen Ultraschall-Termin 😀 )

    Sehr schöner Text, ich glaube, ich muss schnell noch ein paar Babysachen kaufen 😉

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  • ankemaria sagt:

    „wir hatten ja damals nichts in Hamburg“ – muahahahah 🙂

    und Dein armer Frauenarzt.. hach jetzt arbeite ich mal schmunzelnd weiter
    Lieb grüße

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  • Ulrike sagt:

    Steffi, wie herrlich wahr! Unser zweiter Sohn ist noch keine Woche alt und die Wochenbetttränen kullern gerade nur so, weil ich so lachen muss…. vieles von dem, was du beschreibst, passiert gerade bei uns und vor allem eins: einfach mal entspannt durch die Hose atmen, Sohn 1 (noch keine 2) ist auch gut geraten….
    Tausend Dank für den witzigen Text nach einer fast schlaflosen Nacht 😉

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  • Finally it’s getting cold outside 🌬
aber mit *Alex*, der Steppjacke von @idigdenim, kann da gar nichts mehr schief gehen 🤗✌🏻😉 ...in den Größen 98-170 erhältlich! HURRY HURRY
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  • 💕Lil‘ Fo sagt DANKE 💕
Danke für ein unglaubliches Wochenende mit Euch @the_family_circle in der Kuppel Hamburg. Was für ein tolles Event mit so viel Kreativität, Hingabe, Begeisterung und Inspiration. Wir sind verrückt verzückt und noch voller Glück! You are amazing 💥
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  • ..., na ja okay! Für uns dieses Wochenende nicht wirklich, aber mit Euch an unserer Seite beim @the_family_circle fühlt sich das richtig richtig gut an!!! Wer es gestern noch nicht geschafft hat, hat heute noch die Chance uns auf dem Mega Familien Pop-Up Event in der Kuppel Hamburg zu besuchen. Dort könnt ihr shoppen, basteln, Euch inspirieren lassen, neue Trends ausprobieren und einfach tolle nette Menschen treffen. Wir freuen uns auch Euch!!!
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  • 🐒 Aber HALLO! 🐒
Hello @the_family_circle, hello *Trendspace*!! Wer von Euch kommt vorbei und besucht uns dieses Wochenende in der Kuppel Hamburg??? Dort könnt ihr auch den Mega Trendspace bewundern, wo wir unsere Lieblings Jungle Wallpaper von @jimmycricketau präsentieren dürfen! WE ARE IN LOVE 🎀
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...bunt, kraftvoll und kreativ! All das vereint in lässigen Schnitten und einem hohen Anspruch an Qualität, so starten wir doch gerne ins Wochenende 🍭⚡️🌈🥊🤸🏻‍♀️
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Das ist ja zum Haare raufen 😂 ! Die tollsten Schnitte und ein Touch von RETRO! Big HELLO to Simple Kids! Heraus kommt ein *MISCHMASCH* DELUXE, das es uns ganz besonders angetan hat! Aber was nehmen wir nun bloß???
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  • ANY QUESTIONS???
Wir sind so happy diese mega Frau @susekaloff für uns gewonnen zu haben. Derzeit noch unterwegs in der Welt wird sie ganz bald auf unserem Blog all Eure Fragen beantworten in unserer neuen Kolumne *Frag Suse*! Noch Fragen offen???
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